Wie Sie sichergehen, dass Selbstorganisation funktioniert

Derzeit werden neue Arbeitsformen unter dem Begriff „New Work“ diskutiert, häufig im Kontext von Selbstorganisation. Ganze Veranstaltungen beschäftigen sich damit, welche Arbeitsformen positiv auf die Eigenmotivation von Mitarbeitern wirken oder wie dieser Ansatz weitergedacht wird. Erst vor kurzem war ich diesbezüglich auf einem Barcamp, einem Konferenzformat, welches ganz auf die Selbstorganisation der Teilnehmer setzt. Um meine gesammelten Eindrücke zum Thema Selbstorganisation zu verarbeiten habe ich eine kleine Blogreihe geschrieben. Meine erste Frage: Welches Menschenbild steckt eigentlich hinter dem Prinzip Selbstorganisation?

Unser Menschenbild steuert unser Verhalten

Das Menschenbild eines Unternehmens dient als Bezugssystem und bietet einen Handlungsleitfaden für Mitarbeiter. Es bildet Werte ab, für die eine Organisation steht. Diese bieten Identifikationsmöglichkeiten und drücken Grundüberzeugungen aus, die hochgradig verhaltenswirksam sein können. Es lohnt sich deshalb das Menschenbild einer Organisation zu hinterfragen, gerade wenn selbstorganisierte Prozesse erfolgreich funktionieren sollen.

Jeder Mensch hat eine Tendenz sich selbst zu steuern

Selbstorganisation sieht den Menschen als mündigen Mitarbeiter, der in der Lage ist Probleme eigenständig zu lösen und der sich an einer Entwicklungs- und Gestaltungskultur im Unternehmen aktiv beteiligt. Im Fokus stehen die individuellen Ressourcen und Fähigkeiten eines Menschen, der sich der Wirksamkeit seines Handelns bewusst ist.

Das humanistische Menschenbild, nach Carl Rogers, betrachtet den Menschen als aktives Wesen, das von Grund auf gut ist. Er nimmt an, dass der Mensch nach konstruktivem Erhalt und Weiterentwicklung strebt. Der Mensch hat nicht nur das Grundbedürfnis, sondern auch die Fähigkeit seine Lebenslage und das Umfeld zu verbessern und zu gestalten. Seine natürliche Tendenz sich weiterzuentwickeln bezeichnet Rogers als „Selbstorganisationstendenz“.

Dieser Ansatz entspricht den Anforderungen, die an Mitarbeiter in selbstorganisierten Systemen gestellt werden: Der Mitarbeiter als Mensch, der eigenverantwortlich denkt und in der Lage ist im Sinne des Unternehmens zu handeln. Ein Ansatz, der die Stärken des Individuums betont, gleichzeitig aber auch eine hohe Eigeninitiative und Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme fordert.

 

Selbstorganisation ist eine Haltungsfrage

Das Unternehmen hat hier auch eine Sorgfaltspflicht seinen Beschäftigten gegenüber. Um die Beteiligten nicht zu überfordern, braucht es bei Selbstorganisationsprozessen einen offenen Dialog über die konkreten Anforderungen an den Einzelnen. Ein System, in dem Prozesse selbstorganisiert laufen sollen, funktioniert nur, wenn von allen Beteiligten eine bestimmte Haltung gelebt wird: Ein wertschätzender, empathischer und klarer Umgang miteinander.

Es ist für Mitarbeiter attraktiver, sich auf Veränderungsprozesse einzulassen, wenn sie sich mit dem dafür vorausgesetzten Menschenbild identifizieren. Hohe Identifikation mit einer Tätigkeit oder einer Organisationsform hat Einfluss auf die intrinsische Arbeitsmotivation. Motivierte Mitarbeiter sind die stärkste Ressource eines Unternehmens, da sie ein persönliches Interesse daran haben dieses voranzubringen.

Das Menschenbild ist erfolgsrelevant für alle Beteiligten

Für den Erfolg selbstorganisierter Prozesse in Systemen ist es relevant, dass sich die Beteiligten mit dem Menschenbild und den darin enthaltenen Werten identifizieren können. Dies setzt voraus, dass sie sich mit dem Menschenbild auseinandersetzen. Zukünftig wird man sich auch mit Fragen nach fairer Bezahlung von Selbstorganisation beschäftigen müssen. (Eine interessante Blog-Parade zum Thema “New Pay” finden Sie auch bei CO:X)

Erste Schritte: Das können Sie tun

Falls Sie sich nun fragen, ob Ihre Mitarbeiter den Raum bekommen, den sie brauchen um sich selbst zu organisieren, stellen Sie sich selbst folgende Fragen:

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Foto: Toa Heftiba auf unsplash.com

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